Second Life

Letztes Jahr habe ich eine kurze Zeit lang Second Life ausprobiert. Erst in der kostenlosen Variante zum reinschnuppern und dann als kostenpflichtige Mitgliedschaft, um die Features des Bauens auf eigenem virtuellem Grund zu testen.

My Second Life house

Doch kurz nachdem das selbstgebaute Haus fertig war, habe ich mich wieder abgemeldet. Die reale Spielzeit entsprach vermutlich ca. einer Woche. Mein Fazit: Das Spiel ist langweilig.

Natürlich werden nun einige Leute aufschreien und sagen, dass ich das Konzept einfach nicht verstanden hätte. Doch das habe ich. Behaupte ich mal. Und das gemeinsame erschaffen einer Welt hat zumindest in der Theorie durchaus seinen Reiz - in der Praxis funktioniert es aber nicht.

Das hat mehrere Gründe. Zum einen sind die Möglichkeiten der grafischen Präsentation durch das Spiel selbst eingeschränkt. Das wird sich in Zukunft sicher ändern, aber leider wird das nicht viel nützen, da alles was man sieht von den Usern erstellt wird - und das erinnert mich zu oft an die Art, wie 1995+ manche Leute schlechte Websites ins Netz stellten.

Es ist einfach nicht möglich Second Life als eine zusammenhängende große Welt wahrzunehmen; durch die von den Spielern erzeugten Inhalte und durch die großen Lücken zwischen den einzelnen Inseln wird dies verhindert. In anderen Spielen kann man entspannt ein paar Stunden lang gen Süden schlendern und sich umsehen - bei Second Life plumpst man aber irgendwann ins Wasser und sieht lange Zeit nichts anderes. Die Suchfunktion für Orte und die Möglichkeit des Fliegens verbessern das Spielgefühl hierbei nicht. Auch wenn es durchaus interessant aussehende Gegenden gibt.

Ich ziehe da lieber die echte Welt einer Spiegelwelt vor, um meine potentiellen Aktivitäten in die Tat umzusetzen, anstatt sie nur zu spielen. Denn so gut wie alles, was man in Second Life kann, kann man auch im echten Leben. Und das, was dort nicht geht, ist nicht herausragend genug, um mir soetwas wie ein Spaß- und Spielgefühl zu vermitteln. Und letzteres ist in einem Computerspiel wichtig, denn sonst ist es - wie zu Anfang erwähnt - schlicht langweilig.

Des weiteren stört mich, dass Second Life keine Privatsphäre ermöglicht. Jeder kann jedem jederzeit zuhören und zugucken; alles was man tut, wird auf dem Server gespeichert; man steht immer unter Beobachtung. Da Second Life, wegen den intensiv von den Benutzern verwendeten Kommunikationsmöglichkeiten, eher eine Erweiterung der wirklichen Welt und eine Communityplattform als ein Spiel ist, ist dieser Kritikpunkt besonders unangenehm. Mal davon abgesehen, das ich keine Lust habe, ständig von Unbekannten von der Seite angequatscht zu werden. Aber das wird man immer seltener, da Second Life an der schwindenden Anzahl von Besuchern kränkelt.

Wer ein Spiel erwartet wird enttäuscht und die Welt ist eher ein Sandkasten für Communities. Aber das Bauen von Burgen verliert schnell den Reiz und für Unterhaltungen brauche ich keine grafische 3D-Welt; mir reichen meine Chat- und Voice over IP-Programme, um mit den Leuten zu reden, mit denen ich das möchte. Von den Vorzügen eines realen Treffens mal ganz abgesehen.

Bleibt noch anzumerken, dass mein erster Besuch in online-Welten nicht in Second Life war, sondern in Compuserves Community WorldsAway (~1997). Aber das war noch in 2D und alles andere als umfangreich. Second Life hingegen war mein mein erster Besuch in einer dreidimensionalen online-Welt; und die Zweite, in die ich einen Fuss setzte, die von Guild Wars. Aber davon erzähle ich ein andermal.

11. 01. 2008