Replays, Let's Plays und andere Geschichten
Pen & Paper Rollenspiel

Nicht nur das Spielen von Rollenspielen macht Spaß. Es ist auch äußerst unterhaltsam die Nacherzählungen von Spielrunden zu lesen - oder ihnen direkt beim spielen zuzusehen.

Titansgrave Lemley

Worte und Zeichnungen

In Japan gibt es eine Literaturgattung namens Replay. Dabei handelt es sich um Aufzeichnungen bzw. Notizen, die während des spielens von Pen & Paper-Rollenspielen gemacht wurden. Für den den besseren Lesefluss wurden sie überarbeitet, bevor sie in Form von Mangas oder Büchern veröffentlicht werden.

Record of Lodoss War scheint das einzige Replay zu sein, dass es als Manga und Anime in den Westen geschafft hat. Das ist schade, denn die Unbekanntheit der Literaturgattung führt dazu, dass auf Grund der Sprachbarriere Interessierten die Möglichkeit genommen ist, die Geschichten zu hören. Zumindest im Fantasy-Genre gibt es aber mittlerweile zum Glück auch im Westen Alternativen.

Auf Reddits Gametales und in Foren erzählen Spieler von ihren Spielrunden. Diese Nacherzählungen bleiben aber meist skizzenhaft und nur die wenigsten sind dabei für den Lesefluss überarbeitet. Dies könnte sich ändern, wenn Replays bekannter werden würden.

Audio und Video

In Form von Audio-Podcasts veröffentlichen einige Spielrunden, zum Beispiel Critical Hit, die Aufzeichnungen ihrer Spielrunden. Und auf Youtube gibt es LetsPlays.

Ursprünglich waren LetsPlays Aufzeichnungen von Videospielen, bei denen der Spielende das Spielgeschehen gleichzeitig kommentierte. Rollenspieler haben dies aufgegriffen und ihre in Videokonferenzen stattfindenden Spielrunden aufgenommen.

Der Grund für Videokonferenzen ist neben Bequemlichkeit nicht selten, dass sich in der eigenen Nähe nicht genug Spieler für ein Spiel finden konnten, und die Videokonferenz nun genutzt wird, um überhaupt mit jemandem spielen zu können. Als Notlösung ist dies natürlich durchaus machbar. Es raubt dem Spielerlebnis aber einen nicht geringen Teil des von Spielern gern hervorgehobenen sozialen Elements; dem gemeinesamen Treffen vor Ort, das das interagieren der Spieler untereinander mehr unterstützt.

Seit kurzem gibt es ein paar LetsPlays die ihre Aufzeichnungen darauf ausrichten, dieses Spielerlebnis zu vermitteln. Ein frühes in meinem Rollenspiel-Crashkurs erwähntes Beispiel die die Dungeons and Dragons 4-Demorunde von Chris Perkins, der mit den Autoren von RobotChicken spielt.

Geek and Sundry

Titansgrave

Meine Highlights momentan sind von Geek and Sundry. Dort gibt es zwei Sendungen, deren Besonderheit vor allem ist, dass die Spielenden Schauspieler und Synchronsprecher sind. Die eine Sendung ist Titansgrave - The Ashes of Valkana von Wil Wheaton. Der Hintergrund von Titansgrave ist ScienceFiction mit Fantasy-Elementen und wurde extra für die Sendung entwickelt. Dabei wurde Titansgrave wie eine Fersehserie mit Episoden und Staffeln konzipiert.

Für diejenigen, die mit Rollenspielen wenig bis keine Erfahrung haben, empfehle ich Titansgrave. Es gibt davon auch eine Episode 0. Dort erklärt Wil Wheaton etwas mehr zum Hintergrund und die Spieler erstellen dort ihre Charaktere. Die Episode ist für die Geschichte nicht wirklich wichtig, gibt dem Ganzen jedoch mehr Tiefe. Die Geschichte selbst startet, wie zu erwarten, in Episode 1.

Critical Role

Die andere Sendung ist Critical Role von Matt Mercer. Critical Role ist klassischer als Titansgrave. Gespielt wird Dungeons and Dragons 5 in einem von Matt Mercer entworfenen Fantasy-Scenario. Die Spielgruppe hat bereits vor der Aufzeichnung 2,5 Jahren miteinander gespielt. Vor der Aufzeichnung haben sie als System Pathfinder genutzt, haben zu Dungenons and Dragons 5 gewechselt, da laut Matt Mercer die Kampfregeln für eine auf ein Publikum ausgerichtete Aufzeichnung angenehmer sind.

Critical Role ist das beste LetsPlay, was ich bisher gesehen habe. Die Gruppe ist nahezu perfekt aufeinander eingestimmt, lässt ihre Charaktere miteinander agieren und die Spieler schaffen es mit ihrem Sprachtalent, ihrer Begeisterungsfähigkeit und ihrem herausragenden Spielleiter eine Intensität entstehen zu lassen, die ich bisher selten erlebt und gesehen habe. Ich empfehle die Sendung denjenigen, die schon etwas Erfahrung mit Rollenspielen haben. In den Folgen, die ich bisher gesehen habe, gibt es gelegentlich Probleme mit dem Ton (es ist eine Live-Sendung auf twitch, deren Folgen später auch auf YouTube veröffentlicht werden); dafür dauert eine Episode aber bis zu 3 Stunden.

28. 09. 2015