
Vor kurzem wurde ich gefragt, ob man ICQ auch dazu nutzen kann, mit AIM-Usern zu chatten. Die Frage resultierte aus der Unzufriedenheit gegenüber AIM. Ich habe mit einer knappen bestätigenden Antwort reagiert. Aus Zeitgründen, denn um über die Vorzüge von Jabber zu reden, braucht es einen kurzen Überblick über die bekannten Messenger. Um diese geht es im ersten Teil dieses Zweiteilers. Demnächst folgt dann Teil zwei über Jabber. Ich werde hierbei nur das Nötigste erwähnen; wer mehr wissen will, wird bei Wikipedia fündig.
Teil 1/2: Die Launen der Konzerne
Als die ersten Instant Messenger aufkamen, versuchten die großen Konzerne den ihren an den Kunden zu bringen. Die bekanntesten sind ICQ, AIM, MSN und der Yahoo Messenger. Leider gibt es aber mit ihnen ein paar Probleme.
Mittlerweile gehören ICQ und AIM zu AOL, was dazu geführt hat, dass AIM-Benutzer mit ICQ-Nutzern reden können. Seit Ende 2006 können auch MSN und Yahoo-User miteinander kommunizieren; diese Möglichkeit entstand vor allem, weil man der Konkurrenz durch AOL entgegentreten wollte.
Wer Freunde hat, von denen ein paar ICQ/AIM nutzen und der Rest MSN/Yahoo, befindet sich in einer nicht gerade nutzerfreundlichen Lage. Man möchte schließlich mit all seinen Freunden chatten. Doch das wird durch die Konzerne verhindert. Nun kann man entweder versuchen seine Freunde dazu zu bewegen, zu einem kompatiblen Messenger zu wechseln - oder man registriert sich bei allen Anbietern.
Ist man bei mehreren Diensten registriert, hat man im Normalfall ebensoviele Programme laufen; denn jeder Konzern hat sein eigenes Chatprogramm zur Auswahl. Als ICQ und AIM, Yahoo und MSN noch kein bischen untereinander kommunizieren konnten, war es auf dem eigenen Desktop dementsprechend unübersichtlich.
Damit wieder etwas Platz auf dem Schreibtisch kam, entstanden die sogenannten Multimessenger. Das sind Programme, die ebenso wie gewöhnliche Chatprogramme aussehen. Der Unterschied ist, dass sie keine selbstständigen Dienste sind; man kann mit ihnen ICQ, AIM, MSN, Yahoo und noch einige andere Dienste gleichzeitig nutzen; und man braucht seine Freunde in nur einer einzigen Buddyliste speichern. Die Übersichtlichkeit ist dabei jedoch das einzige Feature - die Chatmöglichkeiten sind genauso wie zuvor; man kann nicht von einem Dienst in den anderen chatten.
Das ist allerdings das kleinste Übel. Den Konzernen hinter den Diensten, geht es um Kundenbindung und Geld. Sie wollen alle User bei sich und keine bei der Konkurrenz. Nur aus diesem Grund gibt es das oben beschriebene Problem; deswegen sind ihnen die Multimessenger ein Dorn im Auge und daher machen sich um diese auch keine Gedanken, wenn sie ihren Dienst überarbeiten. Es ist ihnen egal, ob die alternativen Messenger danach noch korrekt funktionieren, denn dort werden schließlich keine Werbebanner eingeblendet, die dem Konzern Geld bringen.
In den Nutzungsbedingungen wird daher die Nutzung alternativer und Multimessenger untersagt. (Für Nutzer alternativer Betriebssysteme, wie z.B. Linux, ist das besonders problematisch, da die Konzerne für diese Systeme nicht einmal ihre Messenger anbieten.) MSN darf grundlos Mails und Nachrichten mitschneiden; und bei allem, was man über ICQ verschickt, tritt man die Eigentumsrechte an den Konzern ab! Was mit den Daten letzten Endes passiert, weiß allerdings niemand so recht. Sicher ist nur, dass die Nutzungsbedingungen und Chatsoftware, nach Lust und Laune geändert werden können. Wie diese Veränderungen dem Nutzer gefallen, ist dessen Problem.
Zum Abschluß sei noch erwähnt, dass es bei Firmen immer passieren kann, dass diese Konkurs anmelden oder ihren Dienst aus anderen Gründen abschalten; auch wenn ersteres bei der Größe der hier erwähnten Konzerne eher unwahrscheinlich ist - ein Chatten wäre in beiden Fällen nicht mehr mäglich.
Im Falle von Emails kann man in solch einer Situation einfach zu einem anderen Anbieter wechseln, seinen Freunden die neue Adresse nennen und anschließend problemlos weitermailen. Für die Freunde ändern sich nur die Kontaktdaten; aber sonst bleibt für sie alles beim alten. Und vor allem: Sie können alle miteinander kommunizieren.
Es folgt ... Teil 2/2: Die freie Alternative

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